Bei der Meditation geht es nicht darum, den Geist zur Ruhe zu bringen. Es geht darum, zu lernen, zu bleiben.
Ich dachte immer, bei der Meditation ginge es um Frieden. Es geht darum, einen ruhigen, stillen Raum in deinem Kopf zu schaffen und darin zu schweben wie ein weiser Mönch auf einer Wolke.
Dieser Glaube hielt sich bis zur dritten Stunde meines ersten Vipassana-Retreats. Ich saß auf einem Kissen, die Beine waren taub, der Rücken schmerzte und mein Geist schrie in voller Lautstärke.
Zehn Tage. Zehneinhalb Stunden Meditation am Tag. Kein Telefon. Kein Reden. Kein Lesen. Kein Schreiben. Kein Augenkontakt. Keine Kommunikation mit anderen. Nur du und dein Geist.
Und da habe ich verstanden: Bei der Meditation geht es nicht um Flucht. Es geht darum, mit dem zu sein, was da ist, auch wenn es unangenehm ist.
Die Vipassana-Erfahrung: Stille an der Oberfläche, Sturm im Inneren
Vipassana bedeutet "die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind" Und glaub mir, wenn alles Äußere weg ist (deine Ablenkungen, Routinen, Identität), ist das, was übrig bleibt, roh. Unbearbeitet. Ehrlich.
Zunächst ist es körperlich. Du spürst jedes Jucken, jede Anspannung, jeden Herzschlag. Dann kommt der emotionale Rückstau hinzu. Gedanken, von denen du nicht wusstest, dass du sie hast. Erinnerungen, die du seit Jahren nicht mehr gesehen hast. Selbstkritik, Langeweile, Zweifel, Hoffnung, Frustration. All das.
Aber irgendwann um den sechsten Tag herum ändert sich etwas. Du fängst an, Gedanken als Gedanken und nicht als Wahrheiten zu sehen. Emotionen sind Wellen und keine Dauerzustände. Und Stille wird nicht mehr nur die Abwesenheit von Geräuschen, sondern die Anwesenheit von Bewusstsein.
Was Meditation tatsächlich mit dem Geist macht
Vergiss die Vorstellung, dass du deinen Geist "leerst" Das ist nicht der Punkt. Was Meditation wirklich lehrt, ist Folgendes:
- Du kannst im Unbehagen sitzen, ohne wegzulaufen.
- Du kannst die Angst beobachten, ohne zu ihr zu werden.
- Du kannst einen Gedanken wahrnehmen und ihn vorbeiziehen lassen, ohne an ihm festzuhalten.
In der Neurowissenschaft nennt man das Meta-Bewusstsein: die Fähigkeit, deine mentalen und emotionalen Prozesse zu beobachten, ohne mit ihnen zu verschmelzen. Regelmäßige Meditation stärkt den präfrontalen Kortex (verantwortlich für Entscheidungsfindung und emotionale Regulierung) und beruhigt gleichzeitig die Amygdala (den Teil des Gehirns, der mit Reaktivität und Angst verbunden ist).
Aber du brauchst keinen Gehirnscan, um den Unterschied zu spüren. Nach zehn Tagen Übung fühlte ich mich nicht unbesiegbar. Ich fühlte mich menschlicher. Geerdet. Fähig, Intensität auszuhalten, ohne unter ihr zusammenzubrechen.
Warum sich Stille so unangenehm anfühlt (und warum das der Sinn der Sache ist)
Im täglichen Leben sind wir ständig im Reaktionsmodus. Eine Nachricht kommt herein und wir antworten. Ein Problem taucht auf und wir lösen es. Ein Gefühl taucht auf, wir blättern, naschen und ziehen weiter.
Die Meditation beseitigt all das. Und genau deshalb fühlt sie sich so seltsam an. Sie zeigt uns, wie sehr wir uns selbst aus dem Weg gehen, nicht aus Schwäche, sondern aus Gewohnheit.
Die wahre Übung besteht nicht darin, die Augen zu schließen und tief zu atmen. Die wahre Übung besteht darin, nicht wegzugehen, wenn es schwierig wird.
Deshalb kann sich die Stille so laut anfühlen. Du beginnst, die Teile von dir zu hören, die du bisher ignoriert hast. Und mit der Zeit lernst du zuzuhören, ohne dich festzulegen, zu verurteilen oder zu hetzen.
Was ich aus Vipassana mitgenommen habe
Nach einem 10-tägigen Retreat ins "normale Leben" zurückzukehren, ist surreal. Der Lärm fühlt sich lauter an. Das Tempo ist schneller. Ganz zu schweigen vom scharfen Geschmack.
Aber etwas im Inneren bleibt unverändert.
Hier ist, was mir geblieben ist:
Reaktivität ist kein Muss
Du musst nicht auf jeden Gedanken, jedes Gefühl oder jede Erwartung reagieren. Du kannst innehalten. Du kannst wählen.
Gefühle sind vorübergehend
Körperliches Unbehagen, emotionale Anspannung, mentaler Lärm - all das bewegt sich, wenn du es zulässt. Meditation hilft dir, präsent zu bleiben, ohne zu klammern oder auszuweichen.
Stille ist ein Spiegel
Was in der Stille auftaucht, ist nicht das Problem. Es ist das Material des Wachstums. Wenn du lernst, sanft und geduldig damit umzugehen, entwickelst du echte innere Stärke.
Du kannst überall anfangen
Du brauchst keine zehn Tage. Du brauchst zehn Atemzüge. Du kannst mit zwei Minuten beginnen. Der Punkt ist nicht, wie lange. Es geht darum, wie präsent du bist.
Wenn du neu in der Meditation bist, fang hier an:
Meditation ist eine Fähigkeit, kein Test. Du fällst nicht durch, weil deine Gedanken abschweifen. Das ist die Übung: bemerken, dass du abgetrieben bist und zurückkommen.
Versuch es so:
1. Stell dir einen Timer für 2 bis 5 Minuten. Setz dich bequem hin. Die Augen sind geschlossen oder offen.
2. Wähle einen Anker. Den Atem. Das Gefühl deiner Füße auf dem Boden. Die Geräusche um dich herum.
3. Wenn deine Gedanken abschweifen (denn das werden sie), benenne sie sanft: Denken, Planen, Erinnern. Dann kehre zurück.
4. Sei konsequent, nicht perfekt. Eine Minute am Tag ist besser als gar keine.
5. Lass die Ergebnisse los. An manchen Tagen wird es sich erdend anfühlen. An anderen Tagen nicht. Aber es funktioniert immer, vor allem mit der Zeit.
Stillstand ist nicht das Ziel. Sie ist der Weg dorthin
Meditation wird dein Leben nicht in Ordnung bringen. Aber sie wird dir helfen, ihm anders zu begegnen.
Es geht nicht darum, sich immer ruhig zu fühlen. Es geht darum, die Fähigkeit zu entwickeln, präsent zu bleiben, auch wenn du müde, ängstlich, unsicher oder überwältigt bist.
Stille bedeutet nicht, dass nichts passiert. Es bedeutet, dass du endlich hören kannst, was wirklich wichtig ist.
Und das ändert alles.
Author: Žeňa Březinová
Mind & Movement Coach. Ich unterstütze Frauen durch achtsame Bewegung, Neurotraining und Atemarbeit. Ich helfe meinen Klientinnen, sich wieder mit ihrem Körper zu verbinden, emotionale Resilienz aufzubauen und nachhaltige Wellness-Praktiken zu entwickeln: online und weltweit. Leidenschaftlich engagiert für Nervensystemregulation, verkörpertes Selbstvertrauen und die Schaffung sicherer, starker Communities, in denen Wachstum sich natürlich anfühlt. :)
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