Gründer-Interview: Moritz Fürste, Mitgründer und CEO von HYROX
In unserer Gründerinterview-Reihe stellen wir die klügsten Köpfe im Bereich Gesundheit, Wellness und Langlebigkeit vor. In Folge 2 stellen wir Moritz Fürste vor, den Mitbegründer des Indoor-Fitness-Rennens HYROX.
Beschreibe uns ein wenig über dich und dein aktuelles Projekt
Ich bin Moritz Fürste, einer der Mitbegründer von HYROX. In meinem ersten Leben war ich Hockeyspieler; ich habe lange Zeit für die deutsche Nationalmannschaft gespielt und an drei Olympischen Spielen teilgenommen. Das war mein erstes Leben, wie ich manchmal sage. Ich hatte eine lange und intensive Karriere im Leistungssport und konnte viele wertvolle Erfahrungen sammeln, sowohl sportlich als auch persönlich. Der Sport hat mich immer geprägt, aber nach meiner aktiven Karriere stellte sich die Frage: Was nun? 2017 haben wir HYROX gegründet, und seitdem liegt mein Fokus darauf. Wir wollten Menschen, die regelmäßig ins Fitnessstudio gehen, eine neue Herausforderung bieten - eine Art sportliches Ziel, das über das reine Training hinausgeht. Unsere Vision ist es, Fitness Racing als eine globale Sportart zu etablieren. In den letzten Jahren hat sich viel getan, und immer mehr Menschen begeistern sich für diesen Sport.
Wie schaffst du es als Gründer und Unternehmer, dein Geschäft und deine persönliche Gesundheit unter einen Hut zu bringen?
Ja, ich glaube, das hängt weitgehend von der Aufgabe ab. Für mich spielt die extrinsische Motivation eine große Rolle. Durch meinen Beruf bin ich jeden Tag von Bewegung, Fitness und Menschen, die trainieren, umgeben. Das motiviert mich ungemein! In unserem Team trainieren wir oft gemeinsam - sei es beim Schwimmen in der Mittagspause oder bei einer kurzen Fitnesseinheit nach der Arbeit. Ich merke, dass mir dieser soziale Input hilft, mich auf Trab zu halten.
Ich bin von Natur aus eher ein Ballsportler, also würde ich mich normalerweise lieber zum Tennis- oder Golfspielen verabreden, als ins Fitnessstudio zu gehen. Aber der Anreiz, an einem HYROX-Event teilzunehmen und meine persönliche Bestleistung zu verbessern, treibt mich an. Es gibt mir einen konkreten Grund zu trainieren. Ich bin quasi mein eigenes Versuchskaninchen und kann aus erster Hand erfahren, wie sehr ein klares Ziel die Motivation steigert. Denn nichts ist motivierender als zu wissen: In ein paar Wochen findet ein Wettkampf statt - und wenn ich nicht trainiere, wird das eine ziemliche Qual.
Machst du HYROX allein oder kombinierst du es mit Krafttraining, CrossFit oder einem Mix aus verschiedenen Trainingsmethoden?
Ich mische viel: Cardio, Krafttraining und Intervalltraining. Mein Training ist stark auf HYROX ausgerichtet, aber natürlich bin ich kein professioneller HYROX-Athlet. Der Sport ist eine sehr ausgewogene Mischung aus Kraft und Ausdauer, deshalb ist mein Training breit angelegt. Jedes Training, das ganzheitlich aufgebaut ist, ist im Grunde ein gutes HYROX-Training. Ich versuche, spezifische Elemente aus unserem Wettkampf einzubauen, aber auch variabel zu bleiben, um den Körper immer wieder auf neue Weise herauszufordern.
Das bedeutet für mich ganz konkret: Ich mache eine Kombination aus klassischem Krafttraining, funktionellen Übungen und intensiven Ausdauereinheiten. Ich arbeite viel mit Intervallen, denn das ist eine der Hauptkomponenten von HYROX. Eine Trainingseinheit kann z.B. so aussehen: Zuerst laufe ich ein paar Kilometer in leichtem Tempo, dann folgen einige Krafttrainingssätze - und zum Schluss eine knackige Intervalltrainingseinheit. Diese Mischung ist ideal, weil sie sowohl Kraft als auch Ausdauer trainiert.
Und was ist dein persönliches Gesundheitsziel?
Einfach nur so fit wie möglich bleiben! Je älter man wird, desto schwieriger wird es, und man muss sich mehr anstrengen, um den gleichen Standard zu halten. Mein Ziel ist es, mein Fitnessniveau so lange wie möglich zu erhalten, damit ich weiterhin all das tun kann, was mir Spaß macht. Ich möchte mich nicht einschränken müssen und so lange wie möglich an Wettkämpfen teilnehmen können.
Aber ich merke auch, dass mit zunehmendem Alter nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Fitness eine immer wichtigere Rolle spielt. Deshalb versuche ich, einen ausgewogenen Lebensstil zu führen - mit ausreichend Schlaf, guter Ernährung und natürlich regelmäßigem Training.
Außerdem glaube ich, dass soziale Interaktion ein wichtiger Bestandteil der Gesundheit ist. Sport kann man isoliert betreiben, aber in einer Gemeinschaft oder mit Trainingspartnern macht es nicht nur mehr Spaß, sondern hilft auch, langfristig motiviert zu bleiben.
Gibt es einen Fitnessmythos, den du gerne entlarven würdest?
Ja, ein typischer Mythos ist, dass mehr Training automatisch bessere Ergebnisse bringt. Viele Menschen übertreiben es und vernachlässigen die Regeneration. Der Körper braucht Zeit, um sich anzupassen und stärker zu werden. Wer sieben Tage die Woche trainiert, ohne Erholungszeiten einzuplanen, schadet sich auf lange Sicht eher, als dass er profitiert. Qualität statt Quantität ist hier der Schlüssel!
Du hast täglich mit Menschen zu tun, die an HYROX-Wettkämpfen teilnehmen, sich darauf vorbereiten oder allgemein im Fitness- und Gesundheitsbereich aktiv sind. Was sind die spannendsten Dinge, die du von der Community erfahren hast? Gibt es besondere Geschichten oder Erkenntnisse, die dich überrascht haben?
Das ist eine sehr gute Frage, denn wir lernen tatsächlich ständig dazu, sowohl auf struktureller als auch auf individueller Ebene. Was mich persönlich am meisten beeindruckt, ist die Bandbreite der Teilnehmer. Auf der einen Seite haben wir absolute Spitzensportler, die HYROX als eine Erweiterung ihres professionellen Trainings betrachten. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die den Sport erst durch HYROX entdeckt haben. Diese Vielfalt ist unglaublich inspirierend.
Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist unser ältester Teilnehmer, ein 83-Jähriger, der zusammen mit seiner Tochter im Doppelsitzerformat gestartet ist. Er hat bewiesen, dass es nie zu spät ist, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Seine Einstellung hat viele andere ältere Menschen dazu inspiriert, HYROX ebenfalls auszuprobieren.
Eine weitere wichtige Lektion ist die Bedeutung der Inklusion im Sport. Es gibt viele Menschen, die sich in traditionellen Fitnessumgebungen ausgeschlossen fühlen, sei es aufgrund eines fehlenden sportlichen Hintergrunds, sozialer Barrieren oder Unsicherheiten. HYROX hat es geschafft, eine Gemeinschaft zu schaffen, in der sich jeder willkommen fühlt. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer erzählen uns, dass sie früher jahrelang ins Fitnessstudio gegangen sind, aber erst durch HYROX haben sie ein echtes Ziel vor Augen und trainieren deshalb mit viel mehr Motivation.
Gab es bestimmte Rückmeldungen aus der Community, die euch dazu veranlasst haben, HYROX weiterzuentwickeln oder anzupassen?
Absolut. Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Training als genauso wichtig ansehen wie den Wettbewerb selbst. Das hat uns dazu gebracht, HYROX-Kurse in immer mehr Fitnessstudios weltweit zu integrieren. Es reicht nicht aus, einfach nur Veranstaltungen anzubieten; die Menschen brauchen eine strukturierte Möglichkeit, sich vorzubereiten, sich mit dem Format vertraut zu machen und Fortschritte zu sehen.
Ein weiterer Punkt war die Nachfrage nach verschiedenen Leistungsstufen. Wir haben erkannt, dass es nicht nur eine Elite- oder Anfängerkategorie geben kann. Deshalb haben wir verschiedene Kategorien eingeführt, darunter Doppel- und Staffelformate, die Anfängern den Einstieg in den Sport ermöglichen.
Welche Trends oder Technologien werden deiner Meinung nach in den nächsten Jahren das Spiel verändern, sei es für HYROX oder für die Fitnessbranche im Allgemeinen?
Ich glaube, das größte Potenzial liegt in der Datenintegration und Personalisierung. Heute tracken viele Menschen ihre Trainingseinheiten mit Smartwatches, aber die Möglichkeiten gehen weit darüber hinaus. Ich stelle mir vor, dass wir in Zukunft viel mehr personalisierte Trainingsempfehlungen auf der Grundlage von Echtzeitdaten sehen werden. Eine Plattform könnte zum Beispiel analysieren, wie du bei einem HYROX-Event abschneidest und dir dann genau sagen, welche Trainingsanpassungen du vornehmen solltest, um deine Schwächen auszugleichen.
Ein weiterer spannender Bereich ist die künstliche Intelligenz im Training. Es gibt bereits Systeme, die dir in Echtzeit Feedback zu deiner Lauftechnik oder deinem Krafttraining geben. Das wird sich weiter entwickeln und dafür sorgen, dass die Menschen noch effizienter trainieren können, ohne unbedingt einen Personal Trainer vor Ort zu haben.
Gibt es noch einen weiteren Fitness-Mythos, den du gerne komplett ausräumen würdest?
Ja, nämlich den Mythos, dass mehr immer besser ist. Viele Leute denken, dass sie jeden Tag hart trainieren müssen, um Fortschritte zu machen. Aber die Erholung ist genauso wichtig wie das Training selbst! Ohne ausreichende Regeneration kann der Körper keine Fortschritte machen. Qualität geht immer vor Quantität.
Ein zweiter Mythos ist, dass HYROX nur für superfitte Sportler geeignet ist. Das ist einfach nicht wahr! Unser Veranstaltungsformat ist so konzipiert, dass jeder teilnehmen kann, unabhängig von seinem Fitnesslevel. Der einzige Gegner bist du selbst und deine eigene Zeit vom letzten Event.
Kannst du uns einen Einblick in deinen Tagesablauf geben?
Ja, natürlich, gerne. Ich bin natürlich sehr gebrandmarkt, wenn es um meine Fitnessroutine geht, aber gleichzeitig versuche ich, alles so strukturiert und effizient wie möglich zu halten. Wenn ich nicht verletzt oder krank bin, habe ich eine ziemlich standardisierte Routine. Ich stehe morgens um 6:30 Uhr mit den Kindern auf und bringe sie zur Schule. Meistens fahren sie mit ihren Fahrrädern, während ich sie zu Fuß begleite. Je nachdem, wie ich mich an diesem Tag fühle, laufe ich dann zwischen 5 und 10 Kilometer. Wenn es zu kalt ist oder das Wetter extrem schlecht ist, nehme ich manchmal sogar das Auto. Danach gehe ich direkt ins Fitnessstudio, das zum Glück ganz in der Nähe ist.
Sind Sie eher ein Morgenmensch, wenn es um Sport geht?
Ja, definitiv. Meine Routine ist es, zwischen 8 und 9 Uhr morgens zu trainieren. Ich verfolge meine Werte mit Amazfit, unserem Partner. Es kann im Grunde alles, was andere Fitness-Tracker auch können. Vor allem das Thema Schlaf interessiert mich sehr. Seit ich angefangen habe, meinen Schlaf zu tracken, achte ich viel mehr darauf, genug Schlaf zu bekommen. Ich sehe es fast als Herausforderung: Ich will, dass meine Schlafwerte gut sind. Und wenn es eine Möglichkeit gibt, ihn zu optimieren, dann versuche ich das auf jeden Fall.
Neben dem Fitnessstudio und dem Laufen - gibt es noch andere Sportarten, die du regelmäßig betreibst?
Ja, einmal in der Woche spiele ich Tennis. Ansonsten versuche ich, andere sportliche Aktivitäten einzubauen, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Aber mein Hauptaugenmerk liegt definitiv auf meinem Lauf- und Krafttrainingsprogramm. Ansonsten verbringe ich viel Zeit im Büro und am Wochenende bin ich meistens irgendwo auf einem Sportplatz.
Gehst du regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung oder wartest du, bis etwas nicht stimmt?
Ja, absolut! Ich habe erst diese Woche einen umfassenden Bluttest machen lassen. Nachdem ich mir die Ergebnisse angesehen hatte, nahm ich hochdosiertes Magnesium und zwei oder drei andere Vitamine, weil ich am unteren Ende der Skala lag. Das alles ist eine Präventivmaßnahme; ich mache das nicht sehr regelmäßig - ich würde sagen, ich nehme mir alle zwei Jahre die Zeit dafür. Natürlich wäre es ideal, es häufiger zu machen, aber das ist derzeit schwer umzusetzen. Besonders in den Wintermonaten ist meine Vitaminversorgung ein wichtiges Thema. Magnesium ist für mich besonders wichtig, weil ich einen hohen Bedarf habe, vor allem in Kombination mit intensiven Trainingseinheiten.
Wie sieht es mit Nahrungsergänzungsmitteln aus? Gibt es etwas, das du dauerhaft supplementierst?
Ja, aber ich halte es relativ einfach. Ich nehme regelmäßig Vitamin D und Magnesium zu mir, sonst nichts. Meine Frau ist Naturheilkundlerin und Osteopathin, deshalb machen wir viel im Bereich Darmgesundheit und Prävention. Sie leitet mich dabei ein wenig an. Wir arbeiten auch mit Probiotika und Präbiotika, um die Darmflora stabil zu halten.
Sehen Sie es kritisch, dass viele Menschen versuchen, ihre Gesundheit bis zum Äußersten zu optimieren?
Ja, ich glaube, dass viele Menschen es übertreiben. Sie nehmen 50 verschiedene Nahrungsergänzungsmittel und versuchen, jedes kleine Detail zu optimieren. Aber letztendlich sind es die Grundlagen, die wirklich zählen: ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine gute Balance im Leben. Etwa 80 bis 90 Prozent der Gesundheit kommt von diesen Grundlagen. Der Rest mag für einige relevant sein, aber für die meisten ist er nicht notwendig.
Welche Bücher oder Podcasts haben dich auf deiner Reise besonders inspiriert?
Ich habe eine lange und intensive Zeit mit den Büchern von Yuval Noah Harari verbracht. Homo Deus und Sapiens haben mich besonders beeindruckt. Außerdem fand ich Factfulness von Hans Rosling sehr spannend, weil es eine optimistischere Sicht auf die Welt bietet. Ich bin generell ein Fan davon, sich nicht nur auf das Negative zu konzentrieren, sondern auch das Positive hervorzuheben. Leider wird in unserer Gesellschaft oft nur das Negative diskutiert, obwohl es viele Fortschritte gibt.
Wie siehst du den Unterschied zwischen dem positiven Feedback im Sport und dem oft kritischen Feedback in der Berufswelt?
Ich studiere die Wissenschaft der Positivität - wenn man das überhaupt so nennen kann. Ich kritisiere oft, dass wir uns ständig auf alles konzentrieren, was nicht gut läuft, ohne auch die positiven Dinge in den Blick zu nehmen. Wir zeichnen ein so verzerrtes Bild, dass es scheint, als stünde die Welt ständig am Rande der Katastrophe. Wenn man jedoch herauszoomt, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Welt noch nie besser war. Diese Perspektive ist für mich besonders wichtig - ob im Sport oder im Unternehmertum.
Im Sport erhältst du ständig Feedback in alle Richtungen. Wenn du als Kind ein Tor schießt, freut sich dein ganzes Team, umarmt dich - auch wenn es manchmal nicht sehr nett formuliert ist, spürst du trotzdem das positive Feedback. In der Berufswelt ist das anders: Hier wird selten gelobt. Stattdessen gibt es oft Kritik, selbst wenn du etwas richtig gemacht hast. Ich glaube, dass Unternehmen und Führungskräfte viel von der Art und Weise lernen könnten, wie Erfolge im Sport gefeiert werden. Das würde nicht nur die Motivation steigern, sondern auch eine positivere Unternehmenskultur fördern.
Author: Karol Domagalski
Familie und Gesundheit an erster Stelle. Begeistert von Sport, Ernährung, Langlebigkeit, Reisen und allem Digitalen. Gründer von New Zapiens, mit der Mission, Menschen zu helfen, ihr bestes Leben zu leben.
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