Top 10 Nahrungsergänzungsmittel, die vor der Verwendung getestet werden sollten
Was gut gemeint ist, kann bei manchen Mikronährstoffen schnell zu viel des Guten werden - hier gilt: lieber auf Nummer sicher gehen!
Der Körper ist ein komplexes System. Und wie jedes System hat er Schwellenwerte, Rückkopplungsschleifen und Engpässe. Vor allem Mikronährstoffe verhalten sich nicht linear: Zu wenig macht krank - zu viel aber auch.
Viele Experten und Multiplikatoren sprechen inzwischen über Mikronährstoffmängel und was du dagegen tun kannst - und das ist gut so, denn Mängel sind wahrscheinlich weiter verbreitet und haben größere (vor allem langfristige) Auswirkungen auf Gesundheit und Langlebigkeit, als die meisten Ärzte in ihrer Ausbildung gelernt haben.
Dann tauchen immer wieder Horrorgeschichten über Überdosierungen auf - vor allem bei Vitamin D3.
Was also tun?
Generell ist der Grundsatz "erst testen, dann einnehmen" ein sicherer Ansatz - vorausgesetzt, du weißt, wie du deine Laborwerte interpretieren und die richtige Strategie zur Nahrungsergänzung (oder Ernährungsoptimierung) für dich ableiten kannst. Aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel.
Glücklicherweise gibt es Mikronährstoffe, bei denen ein Mangel nicht unwahrscheinlich ist, bei denen eine Supplementierung oft von Vorteil ist und bei denen eine gefährliche Überdosierung mit Standarddosen kaum möglich ist: Top 10 Nahrungsergänzungsmittel, die du gefahrlos ohne Labortest einnehmen kannst! (Hinweis: In einer zukünftigen Aktualisierung dieses Artikels werden Omega 3 - und möglicherweise Astaxanthin - wahrscheinlich zu den Top 10 hinzugefügt werden. Thanks for the great discussion on LinkedIn!)
Aber kommen wir zum heutigen Thema: Bei einigen Mikronährstoffen ist das Risiko einer Überdosierung höher und Labortests werden wichtiger - konkret geht es um:
- Fettlösliche Vitamine (die im Körper gespeichert werden) und
- Spurenelemente mit einer engen therapeutischen Bandbreite.
Hier sind 10 Stoffe, die du auf keinen Fall supplementieren solltest, ohne vorher deine Blutwerte zu überprüfen.
Hinweis zu den Zielwerten, die für jeden Nährstoff angegeben sind: Diese spiegeln in etwa den Konsensbereich wider, der in Veröffentlichungen der folgenden deutschsprachigen Experten gefunden wurde: Dr. Helena Orfanos-Boeckel, Dr. Thiemo Osterhaus, Dr. Ulrich Strunz, Dr. Uwe Gröber, und Dr. Volker Schmiedel.
Vitamin A (Retinol) - Ein kniffliger Fall
Wofür ist es gut?
Vitamin A ist wichtig für gesunde Haut, Schleimhäute, Sehkraft, Blutgefäße und ein starkes Immunsystem. Seine aktive Form, Retinol, ist besonders wichtig für die Regulierung von Genen, die das Zellwachstum und die Zelldifferenzierung steuern.
Ein Mangel kann sich in trockenen Augen, Lichtempfindlichkeit, erhöhter Anfälligkeit für Infektionen oder verzögerter Wundheilung äußern.
Wenn im Herbst/Winter Artikel über immunstärkende Mikronährstoffe veröffentlicht werden, wird Vitamin A - wie auch Aminosäuren - selten erwähnt. Wenn du also deinen Vitamin-D-, Vitamin-C-, Zink- und Selenspiegel bereits optimiert hast, dir aber immer noch jeden Virus einfängst, ist es vielleicht an der Zeit, deinen Vitamin-A-Status zu überprüfen.
Besonderer Hinweis: Der Körper kann Beta-Carotin (z.B. aus Karotten) in Retinol umwandeln - aber diese Umwandlung ist bei bis zu 45% der Bevölkerung genetisch gestört (vor allem aufgrund von BCMO1-Polymorphismen). In solchen Fällen hilft Beta-Carotin nicht viel.
Zu viel ist zu viel?
Ja. Retinol wird in der Leber gespeichert - zu viel davon kann auf Dauer zu toxischen Wirkungen führen. Leberprobleme, Kopfschmerzen, Haarausfall und Knochenschwächung sind nur einige mögliche Folgen. Besonders problematisch ist eine Überdosierung während der Schwangerschaft - sie kann zu schweren Geburtsfehlern führen.
Besondere Vorsicht ist also bei Lebererkrankungen und während der Schwangerschaft geboten!
Was kann ich tun?
Wenn du Vitamin A supplementierst, solltest du zunächst deinen Nüchtern-Retinol-Spiegel im Blut überprüfen - eventuell auch mit einem Gentest für die Beta-Carotin-Konversion. Ein möglicher Zielwert für den Serumspiegel liegt bei 600 bis 700 µg/l.
Bei einer langfristigen hochdosierten Supplementierung (bis zu 3.000 µg oder 10.000 IE/Tag aus allen Quellen werden von der EFSA als sicher angesehen) ist es ratsam, deine Leberenzyme (insbesondere ALT/GPT) zu überwachen und auf Symptome wie Müdigkeit, Druck im rechten Oberbauch oder Hautveränderungen zu achten.
Vitamin D (25-OH-D3) - Segen und Risiko in einem
Wozu ist es gut?
Vitamin D ist eines der am häufigsten supplementierten Vitamine - und das aus gutem Grund. Es reguliert den Kalziumspiegel, stärkt die Knochen, unterstützt das Immunsystem, verbessert die Muskelfunktion, beeinflusst die Genexpression und wirkt sich sogar auf die Stimmung aus.
Ohne ausreichendes Sonnenlicht, vor allem im Winter, sinkt der Spiegel schnell ab.
Ein Mangel kann sich auf vielerlei Weise äußern: Muskelschwäche, Depressionen, Osteoporose oder Anfälligkeit für Infektionen.
Das Robert Koch Institut hat zuletzt von 2008 bis 2011 den Vitamin-D-Spiegel in Deutschland untersucht und festgestellt, dass nur 44% der Erwachsenen eine Serumkonzentration von mindestens 20 ng/ml hatten - das Minimum, das als ausreichend für die Knochengesundheit gilt.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum stellt fest, dass "die tägliche Einnahme von Vitamin D die Krebssterblichkeit in der Bevölkerung um zwölf Prozent senken könnte."
Too much is too much?
Absolut - Vitamin D ist ein fettlösliches Prohormon, das im Übermaß (über 10.000 IU/Tag) den Kalziumspiegel gefährlich erhöhen kann. Die Folgen sind Nierensteine, Müdigkeit, Muskelschwäche - oder in schweren Fällen Herzrhythmusstörungen.
Eine besondere Falle ist, dass die aktiven Formen hormonell reguliert werden und das üblicherweise gemessene 25-OH-D nicht immer das ganze Bild zeigt.
Was kann ich tun?
Die Messung von 25-OH-D in deinem Blut ist die Grundlage - der Zielbereich im Serum liegt bei 40 bis 60 ng/ml.
Wenn du deinen Ausgangswert kennst, kannst du mit einem Online-Rechner deinen persönlichen Vitamin-D-Bedarf ermitteln: In der Regel erhältst du einen Wert für eine einmalige Ladedosis (um dein Ziel zu erreichen) und einen Wert für die laufende Erhaltungsdosis.
Anmerkung: EFSA hält insgesamt bis zu 4.000 IE/Tag (oder 100 µg) Vitamin D3 für langfristig sicher.
Die meisten Rechner verwenden nur das Körpergewicht als Variable. Da der Vitamin-D-Bedarf aber auch von der genetischen Veranlagung und der Lebensweise (vor allem von der Sonneneinstrahlung) abhängt, solltest du das Ergebnis mit Vorsicht genießen und dein Blut nach einer anfänglichen Aufladephase oder nach einer dreimonatigen Supplementierung erneut untersuchen.
Wenn der Wert trotz Supplementierung niedrig bleibt oder nicht zu stimmen scheint, solltest du das Parathormon (PTH) überprüfen - ein hoher Wert kann auf einen funktionellen Vitamin-D-Mangel hinweisen. Einige Experten empfehlen auch, die aktive Form 1,25-OH zu testen.
Bei einer hochdosierten, langfristigen Vitamin-D-Supplementierung solltest du außerdem mindestens 100-200 µg Vitamin K2 (als MK-7, all-trans) einnehmen - viele D3-Präparate enthalten bereits K2.
Auch der Kalzium- und Magnesiumspiegel sollte beachtet werden.
Vitamin E - unterschätzt, aber nicht harmlos
Wozu ist es gut?
Vitamin E ist ein starkes Antioxidans, das unsere Zellmembranen vor oxidativem Stress schützt. Außerdem unterstützt es das Immunsystem, trägt zur Gesunderhaltung der Blutgefäße bei, schützt die Nerven und reduziert Entzündungen.
Ein Mangel ist selten, kann aber bei Fett-Malabsorptionsstörungen oder bestimmten genetischen Veranlagungen auftreten. Die Symptome können unterschiedlich sein: trockene Augen, Muskelschwäche, Lichtempfindlichkeit, erhöhtes Infektionsrisiko oder verzögerte Wundheilung.
Zu viel ist zu viel?
Vor Jahren war Vitamin E in Deutschland weit verbreitet, oft in hohen Dosen als vorbeugende Maßnahme. Das Problem: Tagesdosen über 1.000 mg können die Blutgerinnung hemmen. Wer Blutverdünner einnimmt oder an einer Gerinnungsstörung leidet, riskiert innere Blutungen.
Ein Überschuss an Vitamin E kann auch den Vitamin-K-Stoffwechsel beeinträchtigen.
Hinweis: EFSA hält insgesamt bis zu 300 mg (oder 447 IE) pro Tag langfristig für sicher.
Was soll ich tun?
Ein Ziel-Serumspiegel für Alpha-Tocopherol liegt bei 20 mg/l oder 46 µmol/l. Der Test sollte nüchtern durchgeführt werden, um eine Verfälschung durch Nahrungsfette zu vermeiden.
Wenn du langfristig hohe Dosen supplementierst, solltest du den Vitamin-K-Status überwachen (z.B., über ucOsteocalcin).
Tipp: Nimm immer auch Vitamin C zu dir - es kann oxidiertes Vitamin E recyceln!
Nebenbei: Alpha-Tocopherol ist nur eine von acht Formen von Vitamin E.
Eisen - Energiespender oder stille Gefahr?
Wofür ist es gut?
Ohne Eisen gibt es keinen Sauerstofftransport - das ist klar. Eisen wird im Hämoglobin und in vielen Enzymen verwendet und ist entscheidend für die Energieproduktion in den Mitochondrien, die kognitive Leistungsfähigkeit (über Neurotransmitter) und die Immunfunktion.
Eisenmangel ist weit verbreitet - vor allem, aber nicht nur, bei Frauen während der Menstruation. Zu den typischen Symptomen gehören Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsprobleme, Anfälligkeit für Infektionen und Haarausfall.
Zu viel ist zu viel?
Es ist eindeutig. Eisen ist auch ein starkes Oxidationsmittel. Ein Zuviel führt zur Bildung von freien Radikalen, die die Zellen schädigen - vor allem in der Leber, im Herzen und in den Gelenken. Symptome treten oft erst nach Jahren auf, deshalb sind regelmäßige Laborkontrollen so wichtig!
Besonders gefährlich: genetisch bedingte Eisenstoffwechselstörungen wie Hämochromatose (C282Y, H63D).
EFSA hält bis zu 40 mg der täglichen Gesamteisenzufuhr langfristig für sicher.
Was soll ich tun?
Eisensupplementierung kann schwierig sein, da viele Menschen die üblichen Eisenpräparate nicht gut vertragen - es lohnt sich, verschiedene Formen (wie Orotat oder Bisglycinat) und den Zeitpunkt der Einnahme auszuprobieren (idealerweise auf nüchternen Magen mit etwas Vitamin C und fern von anderen Mineralien).
Mindestens sollte das Ferritin (Eisenspeicher) getestet werden - ein Zielwert für den Serumspiegel liegt bei Frauen bei 100-150 µg/l und bei Männern bei etwa 200 µg/l.
Zudem wichtig für die Interpretation: die Transferrinsättigung (Zielwert ~35%) und das CRP, da Ferritin bei Entzündungen ansteigen kann, auch wenn das Eisen niedrig ist.
Zink - Immun-Turbo mit Nebenwirkungen
Für was ist es gut?
Zink ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt - unter anderem an der Wundheilung, dem Insulinstoffwechsel, der DNA-Replikation und Transkription, der antioxidativen Abwehr, der Immunfunktion, der Hormonproduktion (z.B., testosteron) und die Zellteilung.
Experten wie Dr. Orfanos-Boeckel zufolge ist Zinkmangel keine Seltenheit. Das Immunsystem leidet, die Haut wird empfindlicher, Wunden heilen langsamer, die Geschmackswahrnehmung nimmt ab und die Libido sinkt.
Zu viel ist zu viel?
Absolut. Zu viel Zink kann zu Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Magenverstimmung, Erbrechen und Appetitlosigkeit führen.
Langfristige hochdosierte Zinkzufuhr kann die Magnesiumaufnahme verringern und zu Kupfermangel führen. Zink blockiert die Kupferaufnahme im Darm - was im Laufe der Zeit zu Anämie, gestörtem Fettstoffwechsel (niedriges HDL-Cholesterin), Nervenschäden und erhöhter Anfälligkeit für Infektionen führen kann.
EFSA hält insgesamt bis zu 25 mg Zink pro Tag langfristig für unbedenklich.
Was kann ich tun?
Der beste Weg, um den Zinkstatus zu beurteilen, ist ein vollständiger Bluttest - er ist stabiler als die Serumwerte. Ein Zielwert liegt bei etwa 6 bis 7 mg/l.
Wenn du Zink supplementierst, solltest du immer ein Auge auf deinen Kupferspiegel haben - (Spoiler: Kupfer wird in Teil 2 dieses Artikels behandelt).
Ein weiterer Tipp zur Supplementierung: Chris Masterjohn empfiehlt, größere Zinkdosen aufzuteilen - nicht mehr als 15 mg auf einmal.
Kupfer - zwischen Mangel und Toxizität
Wozu ist es gut?
Kupfer ist ein essentielles Spurenelement, das für den Eisenstoffwechsel und die Blutbildung, die Synthese von Neurotransmittern (Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin), die Nervenfunktion, Knochen, Sehnen, Haut, Haare und antioxidative Prozesse benötigt wird. Es spielt eine Rolle bei Enzymen wie der Superoxiddismutase und ist für die Zellatmung (Mitochondrien) und die Entgiftung unentbehrlich.
Wie verbreitet ein Mangel ist, lässt sich schwer sagen. Er kann vor allem bei langfristiger Zinksupplementierung, chronischen Krankheiten oder Resorptionsstörungen auftreten.
Zu viel ist zu viel?
Ja, denn Kupfer ist - wie Eisen - ein starkes Oxidationsmittel!
Eine Überdosierung muss unbedingt vermieden werden - vor allem bei der genetisch bedingten Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson, ATP7B), bei der sich Kupfer in der Leber und im Gehirn anreichert und schwere Schäden verursacht.
Was kann ich also tun?
Bevor du Kupfer supplementierst, solltest du deinen Kupferspiegel testen lassen. Ein möglicher Zielwert im Vollblut liegt bei etwa 1 mg/L.
Beobachte auch den Kupferspiegel, wenn du langfristig hochdosiertes Zink supplementierst. Wenn die Werte abnormal sind, sollte auch Ceruloplasmin überprüft werden.
Wenn du einen Mangel feststellst und supplementieren willst, vermeide es, Kupfer zusammen mit anderen Spurenelementen oder Vitamin C einzunehmen.
Beachte, dass EFSA eine tägliche Gesamtkupferzufuhr (aus allen Quellen) von bis zu 5 mg als langfristig sicher erachtet.
Wichtiger Hinweis: Wenn du schwanger bist, sei besonders vorsichtig mit der Einnahme von Kupfer - auch wenn ein Mangel festgestellt wurde.
Selenium - hilfreich in Spuren, schädlich im Übermaß
Wofür ist es gut?
Selenium schützt die Zellen vor oxidativen Schäden als Teil der Glutathionperoxidase und anderer antioxidativer Enzyme. Es unterstützt die Immunabwehr und die Beseitigung von Krebszellen. Es ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion, insbesondere für die Umwandlung von T4 in T3.
Ein Mangel kann zu Müdigkeit, Muskelschwäche, Fruchtbarkeitsstörungen, Entzündungen und Autoimmunerkrankungen beitragen.
Zu viel ist zu viel?
Ja: Hohe Dosen sind giftig. Der Körper speichert Selen im Muskelgewebe und in der Leber, so dass eine langfristige hohe Aufnahme problematisch sein kann.
Symptome einer Überdosierung sind Haarausfall, brüchige Nägel, knoblauchartiger Atemgeruch und neurologische Probleme.
Was kann ich tun?
Teste deinen Selenstatus im Vollblut. Ein möglicher Zielbereich liegt bei 140-160 µg/L - und sollte 230 µg/L nicht überschreiten!
Bevor du supplementierst, sollten auch die Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4) und Jod getestet werden.
Wenn du einen Mangel hast und supplementierst, solltest du vermeiden, Selen zusammen mit Vitamin C einzunehmen.
Bitte beachte: EFSA hält eine tägliche Selenzufuhr von bis zu 255 µg für langfristig unbedenklich.
Jod - wichtig, aber nicht für jeden gleich
Wozu ist es gut?
Jod wird meist mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht - zu Recht. Es ist Teil der Hormone T3 und T4 und beeinflusst den Energiestoffwechsel, die Entwicklung des Gehirns und das allgemeine Wohlbefinden - nicht allein, sondern zum Beispiel im Zusammenspiel mit Selen.
Trotz Jodsalz ist Jodmangel in Deutschland immer noch weit verbreitet und führt zu Kropf, Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Kälteempfindlichkeit und hormonellen Ungleichgewichten.
Zu viel ist zu viel?
Ein Überschuss - vor allem durch hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel oder Algen - kann schädlich sein. Bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung (z.B. Hashimoto) kann zu viel Jod einen Schub auslösen.
Die japanische Bevölkerung nimmt über ihre fisch- und algenreiche Ernährung scheinbar viel Jod auf. Aber kann man das wirklich auf andere übertragen, vor allem, wenn die eigene Schilddrüse an wenig Jod gewöhnt ist? Besser testen als raten!
Was kann ich also tun?
Eine zuverlässige Diagnose kann durch eine 24-Stunden-Urinsammlung gestellt werden. Ein Zielbereich liegt bei 100-200 µg/L. Alternativ kann Jod im Serum gemessen werden: 80-100 µg/L ist ein möglicher Zielwert.
Überprüfe immer TSH, fT3, fT4 und Selen, bevor du Jod supplementierst.
EFSA hält eine tägliche Jodzufuhr von bis zu 600 µg langfristig für sicher.
Mangan - Selten betrachtet, potenziell riskant
Für was ist es gut?
Mangan wird in Spuren benötigt und ist wichtig für den Knochenstoffwechsel, die Gluconeogenese, antioxidative Prozesse und den Aminosäurenstoffwechsel. Es unterstützt Enzyme wie die mitochondriale Superoxiddismutase und die Arginase.
Ein Mangel ist selten, kann aber zu Wachstumsstörungen, Muskelschwäche, Fruchtbarkeitsproblemen und schlechter Wundheilung führen.
Abnahme: Durch einen Labortest habe ich vor einigen Jahren herausgefunden, dass ich einen großen Mangel habe und bin auf zwei Studien gestoßen, die auf die kardiovaskuläre Bedeutung von Mangan hinweisen: Eine Studie bringt niedrige Werte mit erhöhter Arteriosklerose in Verbindung, die andere Studie deutet auf eine therapeutische Rolle bei der Behandlung dieser Erkrankung hin.
Zu viel ist zu viel?
Definitiv! Mangan kann sich im Gehirn anreichern und Parkinson-ähnliche Symptome, Zittern und Sprachstörungen auslösen. Besonders riskant ist das für Menschen, die industriell exponiert sind oder langfristig hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.
Was kann ich also tun?
Mangan wird im Vollblut getestet. Ein möglicher Zielwert liegt bei 10 µg/L.
Anmerkung: EFSA hat keine sichere Tagesdosis festgelegt. Das NIH gibt 11 mg/Tag aus allen Quellen als Obergrenze an.
Wichtige allgemeine Hinweise zur Supplementierung von Mineralien und Spurenelementen (z.B. Mangan, Kupfer, Selen, Eisen, Zink, Magnesium, Kalzium, Kalium): Hohe Dosen einer Substanz können das Gleichgewicht stören und die Werte der anderen verändern. Überwache also immer alle Werte, wenn du "viel" supplementierst.
Kalzium & Kalium - klingen harmlos, sind es aber nicht
Beides sind Mineralien mit Elektrolytwirkung, die eng mit der Nerven- und Muskelphysiologie verbunden sind. Sie beeinflussen sich gegenseitig, z.B. beim Herzrhythmus oder der neuromuskulären Signalübertragung. Sie werden oft gemessen, aber selten funktionell interpretiert.
Calcium - Wozu ist es gut?
Es geht um viel mehr als nur um starke Knochen und Zähne. Kalzium spielt eine zentrale Rolle in fast jeder Zelle, reguliert die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln, die Blutgerinnung, die Aktivität von Enzymen und die Freisetzung von Hormonen.
Ein Mangel kann zu brüchigen Knochen, Krämpfen, Taubheit, Herzrhythmusstörungen oder Reizbarkeit führen. Ein leichter Mangel kann jahrelang unbemerkt bleiben, während der Körper Kalzium aus den Knochen zieht, um den Blutspiegel stabil zu halten - was zu Osteoporose führt.
Kalzium - Zu viel ist zu viel?
Ja, und zwar schneller als erwartet. Besonders in Kombination mit hochdosiertem Vitamin D steigt das Risiko einer Hyperkalzämie. Symptome: Übelkeit, Verstopfung, Schwäche, Verwirrung, Nierensteine oder sogar Nierenversagen.
Chronisch hohe Werte können zu Weichteilverkalkung führen - und damit das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.
Calcium - Was kann ich also tun?
Wenn du Calcium - oder hochdosiertes Vitamin D - supplementierst, solltest du das Serum-Calcium (Ziel: 2,45 mmol/L) oder das Vollblut-Calcium (Ziel: 60 mg/L) messen.
EFSA hält bis zu 2.500 mg/Tag für eine langfristige Einnahme für sicher.
Wenn du eine Überlastung vermutest, überprüfe das Nebenschilddrüsenhormon und das Kalzium im Urin.
Ein normaler Kalziumspiegel im Blut schließt Probleme im Kalziumstoffwechsel nicht aus - der Körper kompensiert das lange Zeit.
Magnesium sollte bei der Beurteilung immer berücksichtigt werden, da es eng mit Kalzium verbunden ist.
Kalium - Wofür ist es gut?
Kalium ist wichtig für den Flüssigkeitshaushalt, den Blutdruck, die Nerven- und Muskelsignale und die Regulierung des Herzrhythmus. Stell dir vor, es ist die "Stromversorgung" des Körpers - ohne Kalium gibt es keine elektrische Aktivität in Herz, Gehirn und Muskeln.
Es gibt immer mehr Gerüchte über die blutdrucksenkende Wirkung von Kalium, wenn Natrium ersetzt wird.
Ein Mangel kann sich durch Müdigkeit, Muskelschwäche, Verstopfung, Herzrhythmusstörungen oder Krämpfe bemerkbar machen.
Kalium - Zu viel ist zu viel?
Absolut. Ein hoher Kaliumspiegel im Blut ist ein medizinischer Notfall. Selbst ein leicht erhöhter Wert kann aufgrund der veränderten Erregbarkeit der Zellen gefährlich sein - vor allem für das Herz, wo tödliche Herzrhythmusstörungen oder ein Herzstillstand drohen.
Eine unkontrollierte Zufuhr - vor allem bei Nierenfunktionsstörungen oder bestimmten Medikamenten (z.B., ACE-Hemmer) - kann schnell gefährlich werden.
Die EFSA macht derzeit keine Angaben zu einer sicheren täglichen Kaliumzufuhr.
Kalium - Was kann ich tun?
Wer Kalium zu sich nimmt (z.B., bei Bluthochdruck), sollte zunächst die Nierenfunktion (Kreatinin, Harnstoff, Albumin) überprüfen und den Kaliumgehalt im Blut überwachen.
Ein Zielbereich könnte 4-5 mmol/L im Serum oder etwa 1600 mg/L im Vollblut sein.
Wenn die Werte hoch sind: Keine Panik - erst noch einmal testen. Die Handhabung der Proben kann die Ergebnisse verfälschen!
Magnesium sollte ebenfalls überwacht werden, da es funktionell mit Kalium verbunden ist, z.B. bei der Regulierung des Herzrhythmus.
Schlussfolgerung: Testen hilft - vorher und nachher
Bei all diesen Mikronährstoffen gilt: Was helfen soll, kann auch schaden - vor allem, wenn es falsch dosiert wird!
Fettlösliche Vitamine und Spurenelemente reichern sich im Körper an. Die Symptome eines Überschusses entwickeln sich langsam und sind oft vage. Das bedeutet, dass eine Vergiftung oft unbemerkt bleibt - und zu einer echten Gefahr wird.
Diese aufgeführten Mikronährstoffe sind essentiell - lebenswichtig! Aber ein Zuviel kann dir schaden! Und was "zu viel" ist, ist sehr individuell und hängt von der Lebensweise (Ernährung, Bewegung, Stress), dem Alter, Krankheiten, Medikamenten und der Genetik ab.
Nur wenn du deine Werte kennst, kannst du sie effektiv ergänzen - und dann erneut testen. Dein Stoffwechsel ist einzigartig und komplex!
>Quellen
Author: Heiko Bartlog
Mentor für Vitalität mit besonderer Expertise in essentiellen Mikronährstoffen: Messen – Planen – Optimieren – wiederholen! Mit jahrelanger Erfahrung als Projektmanagement-Berater, Coach für Führung und Agilität, Facilitator für Co-Creation und Effectuation-Experte. https://vital.bartlog.de/ (beta)
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