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Mundgesundheit
Inhaltsverzeichnis
Die Verbindung zwischen Mund und Körper
Mundgesundheit ist viel mehr als nur die Vorbeugung von Karies – sie ist ein entscheidender Faktor für Langlebigkeit und das allgemeine Wohlbefinden. Der Mund beherbergt über 700 Bakterienarten, die das orale Mikrobiom bilden. Wenn dieses Ökosystem aus dem Gleichgewicht gerät, hat das weitreichende Folgen, die weit über das Zahnfleisch hinausgehen. Chronische Parodontitis führt zu einer anhaltenden Entzündung, durch die pathogene Bakterien in den Blutkreislauf gelangen und eine Immunreaktion im gesamten Körper auslösen können [1].
Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit schwerer Parodontitis ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und neurodegenerative Erkrankungen haben. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 ergab, dass schwere Parodontitis das Auftreten von Typ-2-Diabetes um 53 % erhöht, während Diabetes selbst das Risiko für Parodontitis um 34 % steigert – eine wechselseitige Beziehung, die durch gemeinsame Entzündungswege bedingt ist [2].
Parodontitis, Herzerkrankungen und Alzheimer
Das Bakterium Porphyromonas gingivalis, ein Hauptverursacher chronischer Zahnfleischerkrankungen, wurde in atherosklerotischen Plaques und im Gehirn von Alzheimer-Patienten gefunden. P. gingivalis produziert toxische Enzyme namens Gingipaine, die die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen können, sodass Bakterien und Entzündungsmediatoren in das zentrale Nervensystem gelangen können. Dieser Prozess fördert Neuroinflammation, beschleunigt die Amyloid-beta-Aggregation und trägt zur Hirnatrophie bei [3].
Herz-Kreislauf-Forschungen zeigen, dass Menschen mit Parodontitis ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle haben. Bei Diabetikern mit schwerer Parodontitis steigt das Risiko für kardiorenale Mortalität nach Bereinigung um andere Risikofaktoren um das 3,2-Fache [2]. Eine 2025 in Lancet veröffentlichte Übersicht betonte, dass die Mundgesundheit in Strategien zur Prävention chronischer Erkrankungen integriert werden sollte, insbesondere für alternde Bevölkerungsgruppen [4].
Das orale Mikrobiom und das Altern
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammensetzung des oralen Mikrobioms. Nützliche Bakterien nehmen ab, während sich pathogene Arten vermehren, was zu einer Dysbiose führt, die sowohl die orale als auch die systemische Alterung beschleunigt. Diese altersbedingte Veränderung des Mikrobioms wird mit einer erhöhten Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes-Komplikationen und kognitivem Verfall in Verbindung gebracht [5]. Die Mund-Darm-Achse stellt einen weiteren wichtigen Weg dar: Pathogene Mundbakterien können in den Magen-Darm-Trakt wandern und dort schädliche Metaboliten wie Trimethylamin-N-Oxid (TMAO) produzieren, die die kardiovaskuläre Gesundheit beeinträchtigen [6].
Evidenzbasierte Mundgesundheitspraktiken
Eine systematische Überprüfung aus dem Jahr 2024 ergab, dass tägliches Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume das Risiko für Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck senken [6]. Neben Zähneputzen und Zahnseide reduziert auch das Zungenreinigen die Bakterienbelastung, und regelmäßige professionelle Zahnreinigungen entfernen verkalkte Plaque, in der sich pathogene Bakterien ansammeln.
Ölziehen – das 10 bis 20 Minuten lange Spülen des Mundes mit Öl – hat in einigen Studien moderate Vorteile für die Zahnfleischgesundheit und die Verringerung der Streptococcus mutans-Keimzahl gezeigt, obwohl eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 zu dem Schluss kam, dass es zwar die Zahnfleischgesundheit verbessern kann, die Evidenz jedoch nach wie vor gering ist und es die herkömmliche Mundhygiene nicht ersetzen sollte [7]. Zahnpasten auf Hydroxylapatitbasis haben sich als Fluorid-Alternative herausgestellt, die den Zahnschmelz remineralisieren kann, und probiotische Lutschtabletten gegen Mundbakterien werden gerade intensiv erforscht.
Die Erhaltung der Mundgesundheit ist eine der zugänglichsten und wirkungsvollsten Strategien für ein langes Leben, deren Vorteile sich auch auf die Gesundheit von Herz, Gehirn und Stoffwechsel auswirken [8].
Quellen
- 1. Periodontal disease and systemic health: Exploring the link (European Journal of Preventive Cardiology, 2015)
- 2. Periodontal disease and diabetes mellitus: a bidirectional relationship (Diabetologia, 2021)
- 3. Porphyromonas gingivalis in Alzheimer's disease brains: Evidence for disease causation and treatment with small-molecule inhibitors (Science Advances,...
- 4. Oral health: A neglected piece of the puzzle in chronic disease prevention (The Lancet Healthy Longevity, 2025)
- 5. The oral microbiome in aging and disease (Frontiers in Cellular and Infection Microbiology, 2022)
- 6. Toothbrushing, interdental cleaning and risk of type 2 diabetes and hypertension: A systematic review (Journal of Clinical Periodontology, 2024)
- 7. Effect of oil pulling on oral health: A systematic review and meta-analysis (Journal of Clinical Periodontology, 2024)
- 8. Oral health for achieving longevity (PubMed, 2020)
Tägliches Zähneputzen und Zahnseide zum Schutz deines Herzens
Reinige deine Zunge, um die bakterielle Belastung zu reduzieren
Regelmäßige professionelle Reinigungen
Unterstütze dein orales Mikrobiom durch Ernährung
Ignorieren Sie Zahnfleischbluten nicht - handeln Sie frühzeitig
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#170: Die irre Bedeutung des oralen Mikrobioms
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