Longevity-Wissen BETA
Gewohnheiten
Inhaltsverzeichnis
Die Wissenschaft der Gewohnheitsbildung
Gewohnheiten sind die unsichtbare Struktur unseres Alltags. Studien zeigen, dass etwa 43 % unserer täglichen Handlungen automatisch ablaufen und kaum bewusste Anstrengung brauchen [5]. Diese Automatisierung wird von den Basalganglien gesteuert, einem alten Teil unseres Gehirns, der wiederholte Handlungen in Nervenbahnen speichert. Wenn du verstehst, wie Gewohnheiten entstehen, kannst du deine Umgebung und Routinen so gestalten, dass positive Handlungen automatisch passieren und nicht von Willenskraft abhängen.
Der Gewohnheitskreislauf: Auslöser, Routine, Belohnung
Jede Gewohnheit folgt einem dreiteiligen Kreislauf [1]. Der Auslöser veranlasst dein Gehirn, ein Verhalten zu initiieren: Das kann eine bestimmte Tageszeit, ein emotionaler Zustand oder eine vorhergehende Handlung sein. Die Routine ist das Verhalten selbst, sei es Joggen gehen, einen Snack essen oder dein Handy checken. Die Belohnung ist das, was den Kreislauf verstärkt und deinem Gehirn beibringt, das Verhalten zu wiederholen, wenn derselbe Auslöser auftritt.
Gewohnheiten verschwinden nie wirklich: Sie können nur ersetzt werden. Um eine Gewohnheit zu ändern, behalte den gleichen Auslöser und die gleiche Belohnung bei, füge aber eine neue Routine ein. Möchtest du aufhören, morgens als Erstes deine sozialen Medien zu checken? Identifiziere deinen Auslöser (Handy in der Hand, gerade aufgewacht) und deine Belohnung (mentale Stimulation) und ersetze dann das Scrollen durch das Lesen eines Newsletters oder eine kurze Mobilitätsroutine.
Bessere Systeme aufbauen, keine Ziele
Ziele sind Ergebnisse; Systeme sind die Prozesse, die sie hervorbringen. 20 Pfund abzunehmen ist ein Ziel; bei jeder Mahlzeit Gemüse zu essen und täglich 10.000 Schritte zu gehen ist ein System. Systeme sind erfolgreich, weil sie Entscheidungsmüdigkeit beseitigen und sich eher auf die Gestaltung der Umgebung als auf die Motivation stützen, die zwangsläufig Schwankungen unterliegt [2].
Umsetzungsabsichten
Untersuchungen von Peter Gollwitzer zeigen, dass „Wenn-dann”-Pläne die Durchhaltequote drastisch erhöhen [3]. Anstatt zu sagen „Ich werde mehr Sport treiben”, sag lieber „Wenn es Montag, Mittwoch oder Freitag um 18 Uhr ist, dann gehe ich ins Fitnessstudio.” Diese Vorabentscheidung beseitigt die Verhandlungen, die stattfinden, wenn die Motivation nachlässt.
Gewohnheiten stapeln
Beim Habit Stacking wird eine neue Gewohnheit an eine bestehende angehängt [2]. Nach [AKTUELLE GEWOHNHEIT] werde ich [NEUE GEWOHNHEIT]. „Nachdem ich mir meinen Morgenkaffee eingeschenkt habe, werde ich fünf Minuten meditieren.” Die bestehende Gewohnheit wird zum Auslöser für die neue Gewohnheit, indem sie die bereits vernetzten Nervenbahnen deines Gehirns nutzt. Untersuchungen zeigen, dass die durchschnittliche Zeit zur Bildung einer neuen Gewohnheit 66 Tage beträgt, wobei die Spanne je nach Komplexität zwischen 18 und 254 Tagen liegt [4].
Quellen
- 1. The Power of Habit: Why We Do What We Do in Life and Business by Charles Duhigg
- 2. Atomic Habits: An Easy & Proven Way to Build Good Habits by James Clear
- 3. Implementation intentions: Strong effects of simple plans by Peter Gollwitzer (American Psychologist, 1999)
- 4. How are habits formed: Modelling habit formation in the real world by Lally et al. (European Journal of Social Psychology, 2010)
- 5. Out of sight, out of mind: The neurobiology of automaticity and conscious control by Wood & Neal (Current Directions in Psychological Science, 2007)
Staple deine Gewohnheiten
Beginne mit 2 Minuten
Gestalte deine Umgebung
Verfolge deine Strähnen
Finde einen Verantwortungspartner
Wie lange dauert es, eine neue Gewohnheit zu entwickeln?
Warum breche ich immer wieder meine Gewohnheiten?
Was ist der Unterschied zwischen einer Gewohnheit und einer Routine?
Wie breche ich eine schlechte Angewohnheit?
Wie sieht eine Biohacking-Morgenroutine aus?
#116 Glück entsteht im Kopf: Wie unser Gehirn Gesundheit steuert – mit Dr. Karella Easwaran
(65) Neue Gewohnheiten etablieren - Dr. Silja Schäfer über Fettleber
#51 Schlaf als Superpower: Wie erholsame Nächte die Lebensqualität verbessern – mit Dr. Martin Schlott
Noch keine Diskussionen
Starte als Erste:r eine Diskussion über Gewohnheiten.
Verwandte Artikel
Mikro-Rituale: Wie Achtsamkeit alltägliche Momente in dauerhafte Balance verwandelt
8 Minuten Lesezeit
Ein blinder Fleck für Langlebigkeit: Moderate körperliche Aktivität - direkt an deinem Schreibtisch
8 Minuten Lesezeit