Fasten, Erkältung, Blutuntersuchung: Was Männern hilft, kann bei Frauen hormonelle Schatten werfen
Hohes Testosteron, intermittierendes Fasten, kalte Tauchgänge, Biohacking-Ergebnisse - all das liegt im Trend. Aber was passiert, wenn wir diese Strategien auf einen Körper anwenden, für den sie nie entwickelt wurden?
Die Wahrheit ist unbequem: Die meisten Langlebigkeits-Hacks beruhen auf männlichen Daten. Und das ist ein Problem - vor allem für Frauen, deren Hormonsystem fein abgestimmt und zyklisch ist.
Was bei Männern Energie, Fokus und Libido steigert, kann bei Frauen zu Zyklusunregelmäßigkeiten, PMS oder sogar zu einem Burnout führen.
Frauen brauchen eine andere Strategie für ihre Langlebigkeit. Eine hormonell intelligente Strategie.
Die Datenlücke: Eine Welt der Langlebigkeit von und für Männer
80% der medizinischen Forschung wird an Männern oder männlichen Zelllinien durchgeführt.
Das betrifft nicht nur Medikamente oder Diagnoseverfahren, sondern auch Biohacks, Nahrungsergänzungsmittel, Fastenprotokolle und Kältetherapie.
Frauen werden oft von Studien ausgeschlossen, weil ihre Hormonzyklen als "Störfaktor" angesehen werden.
Das Ergebnis ist ein System, das den männlichen Körper als Norm definiert und den weiblichen Körper völlig ignoriert.
Was Frauen wirklich brauchen: 5 hormonell intelligente Umstellungen
1. Fastenprotokolle: Gut gemeint - hormonell riskant
Fasten ist ein zentrales Instrument der Langlebigkeitswissenschaft - aber es gibt einen großen Haken:
Frauen reagieren ganz anders auf Kalorienrestriktion als Männer. Viele Frauen wenden intermittierende Fastenprogramme an, die in Laboren gut funktionieren - bei männlichen Probanden.
Aber die Forschung zeigt:
- Frauen reagieren anders auf das Fasten. Verlängertes Fasten (>14h) kann den Eisprung unterdrücken, das Progesteron senken und das PMS verschlimmern.
- In der Lutealphase steigt der Energiebedarf - Fasten bedeutet zusätzlichen Stress.
Was stattdessen hilft: Fasten personalisieren
- Zyklusbasiertes Fasten: In der Follikelphase (Beginn des Zyklus bis zum Eisprung), moderate Fastenfenster (z.B., 12:12 oder max. 14:10) werden oft gut vertragen.
- In der Lutealphase (nach dem Eisprung) sollte das Fasten reduziert oder vermieden werden - der Energiebedarf ist höher und der Körper ist stressempfindlicher. Bevorzugen Sie stattdessen drei ausgewogene Mahlzeiten mit stabilisierenden Fetten und Proteinen.
2. Kälte: Ein Stimulus für ihn - ein Stressor für sie
Kältetiefs aktivieren die Mitochondrien? Stimmt - aber nicht für jeden in gleicher Weise.
Frauen zeigen:
- stärkere Vasokonstriktion
- höhere Cortisolausschüttung
- und weniger thermische Anpassung an Kälteeinwirkung
Was stattdessen hilft: kurz und zyklusbewusst halten
- Kälteeinwirkung bewusst und kurz einsetzen (z.B., kaltes Duschen für maximal 30-60 Sekunden).
- Kälte wird in der Follikelphase besser vertragen (höhere Stressresistenz). In der Lutealphase oder bei hohem Stress: am besten weglassen.
3. Blutwerte? Nur aussagekräftig, wenn sie aus weiblicher Sicht interpretiert werden
Referenzwerte im Labor sind fast immer auf männliche Grundwerte geeicht.
Für Frauen bedeutet das:
- Ein Ferritinwert von 30 ng/ml gilt als "normal" - doch menstruierende Frauen brauchen für einen optimalen Eisenstatus möglicherweise höhere Werte.
- Die Schilddrüsenwerte schwanken mit dem Menstruationszyklus, was bei Standardtests selten berücksichtigt wird
Was hilft:
- Zeitpunkt der Blutuntersuchung nach Zyklusphase (idealerweise Tag 3-5 oder Tag 21).
- Achte auf optimale Werte, nicht nur auf "normale" - und arbeite mit Laboren zusammen, die sich mit der Gesundheit von Frauen auskennen.
4. Mikronährstoffe = Hormonelle Infrastruktur
Magnesium, Vitamin B6, Omega-3 und bestimmte Adaptogene beeinflussen:
- PMS
- Entgiftung von Östrogenen
- Progesteronproduktion
- und mentale Stressregulierung
Aber wie immer gilt: Es kommt auf die Dosierung und den Zeitpunkt an.
Was hilft:
An den Zyklus anpassen. Magnesium zur Schlafregulierung, Omega-3 als Grundlage.
5. Dein Zyklus: Keine Störung, sondern ein Navigationssystem
Energie, Stimmung, Erholung, Libido, Schlafqualität - all das wird von deinem Zyklus beeinflusst.
Doch die meisten Menschen ignorieren das, wenn es um Training, Ernährung, Arbeit oder Nahrungsergänzung geht.
Was hilft:
Verfolge 2-3 Zyklen. Achte auf Energie, Schlaf, Appetit und Stimmung. Du wirst Muster erkennen - und Wege entdecken, wie du deinen Körper unterstützen kannst, statt ihn zu überfordern.
Indem du deinen Zyklus verstehst, kannst du die Kontrolle über deine Gesundheit übernehmen und dich in Richtung hormonelles Gleichgewicht bewegen - auf eine Weise, die für dich funktioniert.
Fazit: Der weibliche Hormonhaushalt ist keine Nebensache - er ist der Kern der Langlebigkeit
Langlebigkeit für Frauen erfordert mehr als nur Disziplin - sie erfordert Daten, Nuancen und weibliche Intelligenz.
Im Alltag, in der Forschung und in der Produktentwicklung: Es ist an der Zeit, den weiblichen Körper nicht länger zu ignorieren, sondern ihn als Taktgeber für eine gesündere Zukunft zu sehen.
Dafür steht fembites. Und dafür setze ich mich jeden Tag ein.
Quellen
Author: Angelica Conraths
Angelica Conraths ist die Gründerin des Femtech-Startups fembites und Global Chair des Gender Data Gap bei G100. Ihre Mission: den weiblichen Körper ins Zentrum von Forschung, Innovation und Gesundheitsversorgung zu stellen — wissenschaftlich fundiert, hormonell intelligent und im Alltag verankert.
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